Leseprobe von © 2025 Ana Alon
Die Saga Eloah
Aus dem Kapitel 6: DIE EHRGEIZIGEN VÖLKERMORDE
Nach der Eroberung Jerichos zog Josua mit seinem Volk in den Landesteil Kanaans, wo die Amoriter lebten. Der größere Teil seiner Krieger verblieb im Lager, während Josua rund 3000 Kämpfer zur Unterwerfung der Amoriter in die nahe Stadt Ai schickte. Doch das israelische Heer erlitt eine furchtbare Niederlage, die Amoriter jagten es aus der Stadt und verfolgten die Krieger bis fast zum Lager von Josua. Der war entsetzt, warf sich in den Staub vor der Bundeslade, klagte Eloah sein Leid:
»Ach Herr, mein Gott! Warum hast du mich und dein Volk über den Jordan ziehen lassen? Um uns jetzt im offenen Kampf den Amoritern auszuliefern, damit sie uns vernichten, nachdem wir auf dein Geheiß hin dasselbe mit Jericho taten, wo wir zuerst dein Gotteshaus mit Gold und Silber gefüllt und alles Leben dort verdorben haben? Hätten wir lieber uns dazu entschließen sollen, jenseits vom Jordan zu verweilen? Was ist der Grund deines Tuns? Warum erteilst du uns diesmal keine Gnade und stehst an Seiten der Amoriter?«
Es war Jachdo, der Josua riet, aufzustehen. Er sagte: »Was liegst du da im Staub? Israel hat gesündigt, hat die Befehle des Herrn nicht befolgt. Sie haben sogar gegen sein Bündnis verst0ßen, den der Herr mit ihnen schloß. Sie haben in Jericho Dinge weggenommen von dem, was dem Untergang geweiht war; sie haben es gestohlen; sie haben es unterschlagen und zu ihren eigenen Sachen getan. Gold und Silber in die Hände des Herrn, alle anderen Gegenstände des Wertes sollten im Feuer untergehen! Habt ihr diese Order einfach vergessen? So sei das Volk gestraft, Josua! Und siehe da, Jericho ist bis auf die Mauern heruntergebrannt, wie es uns der Herr voraussagte. Aber einige haben sich nicht an seine Worte gehalten. Heute früh habe ich Gabriel wahrgenommen, so ich dir nun mitteilen soll, dass du an dem heutigen Morgen Stamm für Stamm antreten lässt, die der Herr dir bezeichnet. Es soll so Sippe für Sippe antreten und aus der Sippe, die der Herr bezeichnet, soll jede Familie antreten und aus der Familie, die der Herr bezeichnet, soll ein jeder, Mann und Frau, antreten. Und jene, wo der Herr etwas findet, das dem Untergang geweiht war und ihm zugestanden hat, sollen bestraft werden, weil sie Gottes Bündnis verraten und das israelische Volk in Schande vor dem Herrn gestürzt haben!«
Josua erhob sich, sah Jachdo in die Augen und befahl seinen Kriegern alle Zeltlager zu untersuchen, um diejenigen vor des Herrn Angesicht zu bringen, die Schätze aus Jericho für Eigennutz raubten, nachdem sie die ehemaligen Besitzer erschlagen hatten. Josua war entsetzt, waren es doch eine Menge an Leuten, die Gottes Anweisungen nicht befolgten und schöne Kleider aus Ur, Babel und Susa den Besiegten abnahmen; große Mengen Gold, Silber und Kupfer hatten sie beutelweise unter die Erde in den Boden ihrer Zelte eingegraben. So wurden unter der Beute außerdem zweihundert Silberteller, jeder um die 100 Schekel schwer und sehr wertvoller Schmuck gefunden. So verstand Josua, warum sein Herr Eloah darüber mächtig erzürnt war und Gott gegen die Amoriter keinerlei Hilfe leistete. Er ließ alle Familien der Frevler aus den Stämmen vor einem großen, eigens aufgeschütteten Holz und Reisighaufen antreten. Gemäß dem Urteil von Eloah tötete er alle Frevler, indem er diese Familien mit Mann, Frau, Kinder und alles Getier aus Familienbesitz zuerst steinigen ließ, um darauf sämtliche Körper mit allen Hab und Gut zu verbrennen. So verflüchtigte sich der Zorn von Eloah, er war zufrieden mit der ausgeführten Strafe durch Josua. Über Gabriel gab er die Nachricht an Josua weiter, nunmehr Richtung Ai zu ziehen, um die Rache an den Amoritern und ihrem König Tum durchzuführen. Eloah erinnerte Josua an seine Worte, als dieser damals die Führung von Moses übernahm, die da lauteten:
Wenn ihr in das Land kommt, welches ich, der Herr, euer Gott, euch zu übergeben gedenke, dürft ihr auf keinen Fall sämtliche verabscheuungswürdige Bräuche der dort lebenden Völker übernehmen. Niemand aus eurem Volk darf seinen Sohn oder seine Tochter durch das Feuer Lucifers gehen lassen, dessen Predigten, Wahrsagerei oder Zauberei betreiben, Omen deuten, andere mit satanischem Bann belegen oder als Wesen auftreten, das Tote beschwört und befragt. Jeder, der so etwas tut, ist mir, dem Herrn, ein Gräuel. Wegen dieser abscheulichen Taten dieser Völker werdet ihr sie aus dem Land Kanaan vertreiben. Die Amoriter sind ein solches erbärmliches Volk, welches für Ehebruch, Gleichgeschlechtlichkeit, Götzendienst, Prostitution, Kinderopfer und Hexerei bekannt ist. Tut es mit denen gleich, so wie ihr es mit jenem Volke aus Jericho perfekt vollzogen habt!
Josua zog daraufhin mit 30.000 Kriegern gegen König Tum in die Stadt Ai, lockte dessen Streitmacht mit einem Trick aus der befestigten Stadt, wo er sie später vernichtend schlug. Auch hier rottete er das Volk der Amoriter im Sinne der Befehle durch Eloah aus. Zuletzt ließ er ihren König im Schein der Morgensonne aufhängen, wonach er dessen Körper mit der untergehenden Sonne erst am 3.Tag öffentlich wieder abnahm.
Gott war zufrieden, und die Sonne strahlte über Kanaan. Josua ging nun nach den Anweisungen von Jachdo vor, der immer mit Eloah über Gabriel in seinen Gedanken die Kontakte hielt und häufiger sogar lange Zeiten bei seinem Herrn verweilte und Josua oft bei den beratenden Gesprächen fehlte. Es gab keine Verfehlungen mehr seitens des Volkes Israel gegen Gott, ihrem Herrn, so dass Josua gegen viele Stadtstaaten siegreich blieb, nur Städte wie Jerusalem, Gezer, Taanach, Megiddo und Dorver konnte er nicht vernichten, er zog ab, weil sich unerklärlicherweise Eloah aus einigen der Kämpfe heraushielt ohne das zu begründen. Dennoch war Josua im Auftrage seines Herrn zu einer „Tötungsmaschine“ geworden, nichts an fremden Leben, was nicht israelisch war, verblieb in Kanaan. Für Eloah war das rechtens, glaubten doch die von Josua gänzlich vernichteten Völker an tote Götzenbilder und waren imstande, sogar ihre Kinder steinernen Göttern wie Moloch gar grausam im Feuer zu opfern, nachdem sie vorher im „Sinne ihrer Götter“ sexuell misshandelt wurden. Das war auch eine klare Rechtfertigung für das kriegerische Volk von Josua ebenso grausam agierend von Sieg zu Sieg zu eilen, um dem Bund von Abraham als den Urvater unter Eloah gerecht und dienlich zu sein. Immer dabei war Gottes Bundeslade bei Josuas Eroberungen und häufig ergingen aus dieser Lade jene Kräfte, die allen Kriegern unerklärlich blieben, aber stets ein schnelles Siegen ermöglichten. Diese Kräfte konnten nur durch Gott selbst gesteuert sein, ähnlich wie es bei anderen Elohim auch geschah, um einen jeden Willen rein kämpferischer Natur eines beschützten Volkes zu stärken.
Kurz nach der letzten Eroberung von Tirza durch Josua gebot Eloah Einhalt. Den König von Tirza, Usam, richtete Josua zwar mit dem Schwert, indem er diesem die Kehle durchbohrte, jedoch verschonte er auf Geheiß seines Herrn die Bevölkerung, tötete nur die kriegerische Leibgarde Usams. In der Nähe von Tirza lag die Stätte von Sichem, unweit davon stand einst eine alte Eiche auf einem kleineren Hügel. An dieser Eiche fand er den Platz, wo einst Abraham weilte, als er durch Kanaan zog. An dieser Stelle sprach ihn Eloah durch den virtuellen Engel Gabriel an, selbiger Krieger, welcher nun als Jachdo in Menschengestalt zuerst Moses und nun Josua begleitete. Hier habe dann Gott allen Nachkommen Abrahams den Landbesitz von Kanaan zugesagt, worauf dieser seinem Herrn einen Altar baute. Josua war das bekannt, so gehorchte er dem Willen seines Herrn durch die Worte von Jachdo. Er kniete nieder und erinnerte sich an den Bau des Altars für Eloah bei Anbeginn seiner Vernichtungskämpfe in dem gelobten Land Kanaan. Josua hatte das ganze Land eingenommen, so wie es ihm Eloah, sein Gott, prophezeite.
Josua verteilte das Land nach einer Aufstellung auf einer Liste der Stammeseinteilung sorgfältig als Erbbesitz an Israel unter der Vorgabe von Eloah. So war der Krieg zu Ende und das Land hatte Ruhe. Durch Jachdo ließ ihm Eloah übermitteln, dass noch viel Land bliebe, das in Besitz zu nehmen sei. Josua lauschte, denn das hieße, der Krieg ist noch nicht zu Ende.
Als Jachdo plötzlich seine Ausführungen mit den Weisungen des Herrn unterbrach, erhob sich Josua erschrocken. Jachdo und vier seiner besten Krieger standen sofort an der Seite neben ihm, ihre runden Schilder vor Josua schützend haltend, in ihren Händen fest die Griffe ihrer Schwerter umklammernd. Was war geschehen?
Der fast nackte Körper Lucifers war wie aus dem Nichts vor dem Altar Gottes erschienen, begleitet von drei seiner gefallenen Engel, die nur Jachdo, nicht aber Josua mit Namen kannte. Josua konnte seinen ersten, ihn schützenden Krieger nicht zurückhalten. Dieser sah das mächtige, scheinbar von Blut getränkte und tiefrot leuchtende Schwert Lucifers und versuchte einen Schlag gegen Lucifer zu landen. Doch für den tapferen Krieger war die Reaktion Lucifers viel zu schnell, so dass dieser ins Leere schlug und durch seinen kräftigen Anlauf direkt an Lucifer vorbeilief und auf die Steinumrandung des Altars prallte. Als er sich umdrehte, durchbohrte das Flammenschwert Lucifers seine Brust, wonach das Blut dem Krieger aus Mund und Nase strömte und er leblos zu Boden sackte. Sofort war Josua zur Stelle und hielt die anderen Krieger mit beiden Armen zurück, er selbst zog sein Schwert nicht, sondern streckte nur die flach geöffnete Hand dem ehemaligen Erzengel Gottes, Lucifer, entgegen. Jachdo stellte sich dann frontal vor Josua, gleichzeitig baute sich vor den Dämonen die brillante Virtualität Gabriels auf und sprach aus dem Energieschirm heraus Lucifer an, wobei er Josua und Jachdo mit Handwinken hinter sich drängte. Dazu musste sich Gabriel in Menschengestalt inkarnieren und so sein echtes Aussehen als Tenniner Erzengel Gottes offenbaren, weil sonst seine strahlende Energie sowohl Josua wie auch Jachdo schwer verbrannt hätte, denn sie standen zu nahe nebeneinander.
Die Lippen Lucifers verzogen sich zu breitem Grinsen und scheinbar belustigt taten das seine dämonischen Diener neben ihm. Er senkte sein riesiges Schwert und bemerkte, dass Gabriel ihm etwas mitteilen wollte. So lauschte er den Worten Gabriels mit scheinbar andächtiger Miene, als der sprach: »Du hast keine Erlaubnis des Herrn, deine Füße nebst jenen deiner geschmähten Brut auf dieses gelobte Land zu setzen. Deshalb sprich aus, was dich quält vor dem Herrn und zieh‘ von dannen. Hinter mir steht Josua, der im Namen unseres Gottes seinem Volk dieses Land verteilt!«
Lucifer würdigte seinen Bruder Gabriel keines Blickes und wandte sich Josua zu. Als dieser sicherheitshalber sein Schwert hob und seinen Schild vor die Brust hielt, verharrte Lucifer kurz und schaute ihn dann geringschätzig an. »Oh, mein liebes Menschenbündel Josua, auf diesen Erden haben alle Götter Zugriff, nicht alleine dein Gott als dein Herr. Ich schätze deine Eigenschaften als Krieger, ich schätze deinen Mut, ich schätze deine Treue zu deinem unberechenbaren Gott. Aber ich schätze keine Lebensform, die sich mir entgegenstellt, um mir Weisungen auf Erden zu erteilen. Nicht nur der Herr, dein Gott, gibt und nimmt Leben, sondern auch ich! Also versuche mich nicht, denn du bist kein Abbild meiner Genialität! Du bist nicht einmal halbgöttlich, nur ein erbärmlicher Mensch!«
Er trat an Josua heran, der Strahl seines Schwerts lähmte die Hand von Josua, dieser konnte sie nicht mehr anheben. Lucifer starrte in die Augen Josuas, die Gesichter berührten sich fast. Der Hauch des Todes umgab Josua, das fühlte er. Hingegen wartete Gabriel auf die Eingabe des Herrn, Eloah aber rührte sich nicht. So fuhr Lucifer unbehelligt fort: »Du bist ein Volksmörder durch und durch, so stell‘ dich an meine Seite und du wirst halbgöttlich, wirst König aller Länder und Völker nicht nur Kanaans, sondern von allen Ländern, die das gelobte Land deines irrsinnigen Gottes umgeben. Das Volk Israel wird es unter mir und dir besser in Freiheit im Guten wie auch im Bösen treiben können, und du wirst als ein unbezwingbarer Herrscher auf Erden einhergehen, ohne dass eine der ehrgeizigen Strafen eines beleidigten, sogenannten Allmächtigen über euch zu ergehen droht!«
Geringschätzig drehte sich Lucifer von Josua weg. Josua merkte, seine Kraft kehrte in den Körper zurück, als sich Lucifer wieder von ihm abwandte. Dann aber trat Lucifer an Gabriel heran und tönte lauthals: »Und du bist noch hier? Herausgeschlüpft aus der virtuellen Hülle eines Feiglings, aber nicht gewillt hier im Namen deines Schützlings Josua und im Auftrage deines Herrns zu kämpfen. Schweigt er wieder still?«
Doch Gabriel verschwand, das Geistwesen löste sich vor der virtuellen Optik aller Augen förmlich in der Luft auf. Lucifer lachte schallend und drehte sich wieder zu Josua hin. Bevor er jedoch diesen ansprechen konnte, hörte man pfeifendes Zischen in der Luft. Das musste wohl Eloah bewirkt haben, zumal plötzlich in Menschenform bewaffnete Himmelsengel, einige Dutzend der Anzahl nach, auf der großen Geröll- und Steinwiese unterhalb von Lucifer und seinen Begleitern aufmarschierten. Zwei von ihnen traten aus dieser Schar hervor, worauf Lucifer laut lachte. Es waren die Erzengel Michael und Uriel, beide in menschlicher Form von Gott auf die Erden geschickt. Lucifer vermochte ihren bewaffneten Anhang zahlenmäßig nicht zu erfassen, doch es mochten mindestens so um die 20 bis 30 Engelwesen sein. Josua wollte schnell mit seinen drei Kriegern zurück an den Altar gehen, aber Lucifer hielt ihn fest: »Wenn du noch einen Schritt zum Altar machst, dann verliert Gott als dein Herr seinen bisher größten Eroberer im Namen Israels!«
Im selben Atemzug richtete dann Lucifer seine Worte an Michael als den Führer der kriegerischen Engelschar. »Das gilt auch für dich, Bruder. Versuche nicht, näher zu kommen, bevor mir Josua meine Frage beantwortet hat. Mein gestelltes Angebot ist von ihm leider noch unbeantwortet!« Der erste Erzengel Gottes antwortete Lucifer nicht, gab aber in einem Zeichen den Halt seiner Heerschar vor. Daraufhin hob Lucifer sein Schwert, zwang per Kraftgeist Josua in die Knie und sah ihn böse an: »Ich höre…«
»Allein der Herr ist mein Gott. Wenn er will, dass ich unter deiner Hand sterbe, so ist sein Wille mir Befehl!« Josua unterbrach seine Worte, auf Knien vor Lucifer, sah er zu diesem hoch und ergänzte: »Das ergibt meine Antwort, dass ich niemals unter dir dienen werde!« Daraufhin senkte Josua sein Haupt vor Lucifer, scheinbar erwartete er den Todesschlag des Satans, hörte stattdessen die Worte: »Schade Josua, du hast 31 Könige bezwungen, dabei 70.000 Menschen jeden Alters hingerichtet und so unzählige Heere anderer Völker besiegt. Völkermord in meinem Sinne, leider jedoch nicht von mir, sondern von deinem Herrn und Gott initiiert. Du bist selbst ein Mörder, ein Dämon, – so geh‘ zu deinem dämonischen, herrschenden Gott zurück, – diene ihm und seiner Engelbrut unter Gabriel bis ans Ende deiner Tage, aber geh‘ nun!«
Als Josua wieder aufblickte, waren sowohl Lucifer und alle seine bewaffneten, gefallenen Engeldämonen verschwunden. Auch der Erzengel Michael und seine Engel hatten nach Lucifer das Gelände sofort wortlos verlassen. Nur seine Krieger waren noch da, einer allerdings tot, – von Lucifer erbarmungslos erschlagen. Erst Tage später traf er im Lager wieder auf Jachdo, der wortlos, ohne die Ereignisse mit Lucifer zu erwähnen, sein Zelt betrat. Er schaute auf den vor ihm hockenden Josua. Dieser sah ihn kaum an, die Begegnung mit Lucifer saß tief in seinen Gedanken. Jachdo sprach ihn an. »Der Herr hat mir verkündet, dass er zu seinem Volk Israel sprechen will. Richte die Bundeslade auf dem Hügel aus und versammle das Volk in den Senken um die Lade. Ich und die drei Erzengel Michael, Raphael und Uriel werden die Stimme des Herrn in die Lüfte erheben, so dass sie an jedes Ohr klar und deutlich zu dringen vermag.«
Josua tat, wie ihm der Herr durch Jachdo aufgetragen und ließ alle Krieger und das gesamte Volk oberhalb von Sichem versammeln. Er rief die Ratältesten, die Oberhäupter, die Richter und alle Listenführer zusammen. Sie kamen zu ihm auf die Anhöhe und traten vor Gottes Lade hin. Als Josua vor der Bundeslade stand, nachdem er dort minutenlag auf den Knien ausharrte, hob er beide Arme und richtete sie zum Himmel. Darauf wurde es still in der ganzen Umgebung. Eine gewaltige, sonore Stimme erklang. Der Nachhall der Stimme war mächtig, sie drang in jeden Winkel und an jedes Ohr.
»Jenseits des Stroms Jordan wohnten eure Väter vor Urzeiten. Terach, der Vater Abrahams und Nahors. Ich holte ihn von jenseits des Stroms und ließ ihn durch das ganze Land von Kanaan ziehen. Abraham schenkte ich eine zahlreiche Nachkommenschaft, schloss mit ihm einen Bund, versprach ihm das gelobte Land Kanaan und gab ihm Isaak. Diesem schenkte ich Jakob und Esau und verlieh Esau das Bergland Seïr, um es in Besitz zu nehmen. Jakob aber und seine Familie zogen nach Ägypten hinab. Moses führte über Jahre die vereinten Stämme über den Jordan in das gelobte Land zurück. Ich brachte euch in das Land der Amoriter, die jenseits des Jordan wohnten. Sie bekämpften euch, aber ich gab sie in eure Gewalt; ihr habt das Land in Besitz genommen und ich habe euch die Kraft gegeben, sie zu verderben. In fast sieben Sonnenjahren hattet ihre alle anderen Volksstämme ausgelöscht. Ihr habt aber auch sämtliches Leben in Jericho nach meinem Willen verdorben. Und nach den Amoritern kämpften so auch die Völker der Perisiter, jene der Kanaaniter, die Hetiter, die Girgaschiter und die Hiwiter hasserfüllt gegen euch, die ich allesamt in eure Gewalt gab. Ich schenkte euch ein Land, das ihr nicht bestellt und Städte, die ihr nicht erbaut hattet. Ihr wohnt in Häusern, die ihr nicht errichtet habt und ihr nahmt die Früchte von Weinbergen und Ölbäumen, die niemals von euch in die Erde gesetzt wurden. Bewahret und pflegt so meine Gesetze im Namen Abrahams. Und fürchtet mich als Euren Herrn und dient mir im Wohlgefallen.«
Da erhob sich Josua und rief dem Volk zu: »Wenn ihr den Herrn verlasst und fremden Göttern dient, dann wird sich unser Gott von euch abwenden, wird Unglück über uns bringen und euch ein schlimmes Ende bereiten, auch wenn er zuvor für uns nur Gutes tat.« Er nahm einen großen Stein und stellte ihn in Sichem direkt unter der Eiche auf, die im Heiligtum des Herrn stand. Dann streckte er seine Arme gen Himmel und rief in lauter Stimme: »Sehet her, dieser Stein wird Zeuge sein gegen uns; denn er hat alle Worte des Herrn gehört, die Gott eben ausgesprochen hat. Dieser Stein soll Zeuge sein für und gegen euch, damit ihr den Herrn niemals leugnet.« Und das Volk sah, wie der Stein zu glühen begann und daraufhin eine goldgelbe Farbe zurückbehielt.
Als Josua starb, begrub man ihn in TimnatSerach, im Gebiet seines Erbbesitzes am Gebirge Efraim, nördlich am Berg Gaasch. Aber dann, nach der Ära Josua, fielen sie mehr und mehr von Gott aufgrund Lucifers Eingreifen ab. Gut die Hälfte des Volkes befolgten die Gebote nicht mehr, sie entsagten dem Glauben und entfachten gewaltigen Zorn bei Eloah, so dieser sprach:
»Wenn das Volk meinen Bund nicht zu erhalten willig ist, zu dem ich ja mich selbst unter dem Zuspruch ihrer Väter einzuhalten verpflichtet habe, werde ich das israelische Volk vor keiner Macht in naher Zukunft schützen.«
So trat die Zeit ein, an der es nach Josua keine zentrale Führungspersönlichkeit für alle zwölf Stämme mehr gab, nur lokale, eingesetzte Richter, die als militärische Führer wirkten und eigene Gesetze erstellten. Da aber nicht alle kanaanitischen Bewohner von Josua vertrieben wurden, kämpften viele Stämme weiterhin gegen Urkanaaniter und feindliche Völker. Diese Zeit wurde durch einen moralischen und religiösen Verfall gekennzeichnet. Der Tag kam und Eloah schaute auf sein abtrünniges Volk.
»Die Zeit verlangt nach einem neuen Führer, den ihr als abtrünniges Volk in meiner Barmherzigkeit erhalten sollt, um zum wahren Glauben zurückzukehren! Ihr braucht einen neuen Führer. So werde ich meinem Propheten Samael anweisen, den ersten König von Israel zu salben, den ich zu bestimmen gedenke!«
ENDE DER LESEPROBE
Fortsetzung im Buch:
DIE SAGE ELOAH – Ich bin, der ich bin!
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